Es weihnachtet sehr!

Gestern war es wieder einmal soweit. Wir gaben uns unserer romantischen Vorstellung einer harmonischen und stimmungsvollen Weihnachtsbäckerei hin. Kerzen wurden angezündet, Weihnachtsmusik durfte natürlich auch nicht fehlen. Im Vorfeld habe ich schon beide Kinder durch Deutschlands beliebtesten Discounter geschleppt, um massenweise Zutaten zu besorgen.

Ich weiß nicht, ob es an den hohen Erwartungen an ein Backen, welches uns alle in harmonische Weihnachtsstimmung versetzt oder einfach nur an der Laune aller Beteiligten an diesem Tag lag,  aber es war ein Spektakel, welches einen glatt zum Grinch werden lassen könnte.

Der beste Sohn aller Zeiten, lud erwartungsgemäß, an ein Erlebnis ohnegleichen, den wohl besten Opa der Welt, zu unserem Gelage ein. Wie so oft, steigerte er sich so in seine Vorfreude herein, dass an ein geordnetes Arbeiten überhaupt nicht zu denken war.

Überall wurde herum gewuselt, Sachen verstreut, auf dem Boden rumgewälzt, mit dem Bobby-Car an Möbel gefahren und die kleine Schwester geärgert. Diese wiederum ließ sich natürlich nicht lange bitten in dieses Spektakel einzusteigen. Soweit der tägliche Wahnsinn. Was meinen Blutdruck schon ein bisschen in die Höhe trieb, dass der beste Opa der Welt, leider meinem heiß geliebten Küchenmaschinchen nicht sehr zu Schätzen wusste.

Wie konnte er Sie nur infrage stellen? Die Genialität meiner heißgeliebten Maschine!?

Ich schluckte meinen Ärger herunter und setzte eine gute Miene auf. Noch war nichts zu spät!

Die Kinder trieben weiter ihr Unwesen, schaukelten die Geräusch und Chaoskulisse immer weiter hoch. Als währenddessen der technikliebendste Opa der Welt fragte, warum ich die Rezepte jetzt nicht von Hand auf ein Blatt Papier schreiben würde, damit wir sie alle zusammen ablesen und einwiegen können. An dieser Stelle stieg mein Blutdruck noch ein bisschen mehr an und ich ging dazu über, meditativ zu atmen. Was stellte er sich bloß vor?

Im Geiste sah ich uns für den Bruchteil einer Sekunde, im Kreis um eine Küchenwaage stehen und rituell unter Singsang des Rezepttextes die Zutaten abwiegen.

Mittlerweile verstreute Sophie eine Dose mit Salzstangen samt Krümelsatz auf dem Boden. Ich beschloss also noch kurz die letzte Zutat in den Mixtopf zu werfen und dann die Beseitigung des Hühnerfutters anzutreten. Praktisch! Während der Teig schön von selbst geknetet wird, damit die Kinder endlich anfangen können auszustechen und zu verzieren. Da ertönte schon wieder das liebreizende Stimmchen meiner Tochter: OHHHHH NEIN! Zu der Schweinerei gesellte sich jetzt noch eine große Pfütze Wasser aus der noch fast vollen Sprudelflasche. Wie oft bat ich Maxim schon darum, den Deckel feste… ach, lassen wir das!

Ruhig Blut bewahren! Nicht verzweifeln! Ich redete mir Mut zu. Doch was war das? Hörte ich da etwa den Schlüssel in der Tür? Der Papa der besinnlichen Kinder kam schon früher von einem Termin nach Hause und ich hoffte inständig, dass er etwas Ruhe in diese Situation bringen könnte. Rettung naht! Die Tür ging auf, Sophie stürmte freudestrahlend auf Papa zu, sprang auf seinen Arm uuuund….. wird geradewegs auf die Arbeitsfläche der Küche gestellt, welche Opa schon zum Ausrollen des Teiges gesäubert und bemehlt hatte. Als dann noch die Tasse Kaffee umfiel, beschloss ich nur eines: Ich muss jetzt ganz dringend einen Maschine Wäsche anstellen!

Lass das mal die Männern machen…

Als ich zurück kam, waren alle Plätzchen ausgestochen und das erste Blech schon im Ofen 😉 Manchmal muss man eben auch mal loslassen können.


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