Wer bin ich eigentlich?!

Natürlich weiß ich im weitesten Sinn wer ich bin. Ich erkenne mich selbst im Spiegel, kenne meine Adresse, meine Schuhgröße und meine Sozialversicherungsnummer. Aber was mich abgesehen von meinen offensichtlichen Merkmalen ausmacht und wer ich einmal werden will, das kommt mir schon nicht mehr so leicht über die Lippen.

Es gibt da draußen natürlich auch die erstaunlichen Individuen, die einfach wissen was sie wollen und das auch Schritt für Schritt erreichen. Wir alle kennen solche Personen. Es scheint als ob ihnen alles zu fliegt. Mit Leichtigkeit erreichen Sie jedes Ziel und strahlen immerzu in sich ruhendes Selbstbewusstsein aus. Man umgibt sich gerne mit ihnen. Sie sind einfach positiv in ihrer Austrahlung. Doch woran liegt das?

Nun, ich denke welche Person man ist, das hängt von einigen Faktoren ab.

  • Das soziale Umfeld ist eine wichtige Größe. Sind wir in eine Familie geboren worden die einen bedingungslos unterstützt und liebt, aber auch herausgefordert hat? Denn unsere Persönlichkeit kann nur wachsen wenn wir uns im gesunden Maße gegen Wiederstände durchsetzen müssen.  Oder hatten wir aufgrund unserer familiären Situation zu häufig gegen Wiederstände ankämpfen müssen? Sind wir Einzelkind oder haben wir Geschwister? Sind wir in armen oder reichen Verhältnissen aufgewachsen oder mussten wir Schicksalsschläge einstecken? Sind wir gesund oder haben wir körperliche Beeinträchtigungen? Ebenso beeinflusst uns das Verhalten der Personen mit den wir aufgewachsen sind oder welche uns aktuell umgeben. Dabei haben wir die Möglichkeit diese als positiv und nachahmenswert zu empfinden oder aber auch als Beispiel welches uns zeigt, in welche Richtung es für uns nicht gehen soll.
  • Auch die selbstgesetzten Ziele sind wichtig. Große und Kleine! Man muss wissen wonach man streben will um nicht in Stillstand zu geraten.
  • Unsere Stärken und Schwächen beeinflussen uns ebenfalls maßgeblich. Was kann ich besonders gut, was liegt mir gar nicht? Es gibt sicherlich mehrere Personen die ähnliche Begabungen haben. Zum  Beispiel gibt es viele die gut zeichnen können und ebenso schlecht in Mathe sind, aber in der Fülle unserer Stärken und Schwächen unterscheiden wir uns ebenso wieder wie in unseren Zielen und Werten. Das macht uns tatsächlich einzigartig.
  • Auch unsere Eigenschaften sind ein Teil unserer Persönlichkeit. Wir können ruhig und besonnen oder aber aufbrausend und nervös sein. Wir können Optimist oder Pessimist sein, egoistisch oder großzügig, lethargisch oder dynamisch, stur, naiv, offen,  kommunikativ, spontan, eifersüchtig… Die Liste ließe sich jetzt lange weiterführen. Oft hilft es, sich seine Eigenschaften einmal aufzuschreiben. Wie sehe ich mich? Wie würden mich meine Mitmenschen beschreiben? Dabei sollte es um die guten Eigenschaften gehen, welche man noch mehr fördern und betonen kann, aber auch um die Dinge die man an sich nicht sehr gerne mag und welche man ändern möchte.

Eine Eigenschaft die mir am mir nicht sehr gut gefällt, ist dass ich nicht so locker bin wie mein Partner. Ich denke wenn ich es schaffen würde vor Terminen nicht so nervös zu sein, oder mir nicht über alles so viele Gedanken zu machen, dann würden sich viele Dinge für mich einfacher gestalten. Oder meinen schrecklichen Hang zum Perfektionismus. Diesen könnte man sowohl als positive aber auch als negative Eigenschaft werten. Es stört mich sehr häufig wenn ich mir in den Kopf gesetzt habe eine tolle Geburtstagstorte für meine Kinder zu backen und ich am Ende viele Stunden, Zeit und Nerven an der Torte aufwende, welche für mich sowieso nie wirklich Perfekt genug sein wird und mir somit kein gutes Gefühl  gibt, etwas Schönes geschaffen zu haben. Aber allein die Tatsache, dass ich mich mit dieser Schwäche auseinandersetze und sie mir bewusst gemacht habe, verhilft mir schon darauf einzugehen und etwas daran ändern zu können. Statt dann weiter an allem möglichen feilen zu müssen um Gutes noch besser zu machen, konnte ich mich bei der letzten Geburtstagstorte endlich einmal selber bremsen und stattdessen durchatmen und ein kleines bisschen stolz sein, auf mein perfektes nicht perfektes Werk. Meine Mitmenschen bewerten und beurteilen die Torten nicht so streng wie ich selbst.

Und so ist es in vielen Bereichen möglich auf seine Marotten einzugehen und langsam Stück für Stück etwas zufriedener mit dem eigenen Handeln zu sein. Und schon sind wir wieder ein kleines bisschen näher dran mit uns im reinen zu sein und somit eine positive Ausstrahlung zu haben.

  • Unsere Persönlichkeit wird außerdem von unseren Interessen geprägt. Spiele ich gerne Fußball, oder tanze ich leidenschaftlich gerne Ballett? Lese ich gerne oder interessiere ich mich für Gartenarbeit? Gehe ich gerne auf Rockkonzerte oder in die Oper? Oder habe ich bislang keine richtigen Hobbys und ärgere mich jeden Tag darüber während ich mich vom Fernseher berieseln lasse?

Während meiner eigenen Selbstfindungsphase ist mir bewusst geworden das es viele Dinge gibt, die ich gerne irgendwann einmal ausprobieren möchte. Aber warum eigentlich immer so lange aufschieben und warten auf einen besseren Zeitpunkt. Wenn ich ein Hobby oder eine Tätigkeit finde welche mir großen Spaß bereitet und mir mehr Energie gibt, als sie mir raubt, dann habe ich schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Denn genau das fehlt mir seit längerem. Hatte ich in meiner Jugend noch viele Hobbys, so sind sie in den Jahren der Ausbildung und Mutterschaft langsam immer mehr verschwunden. Aber die Dinge die mir früher entsprachen, wären heute auch nicht mehr sehr passend. Daher suche ich nun nach einem neuen Hobby das mich ausgleicht und mich für kurze Zeit, den Alltag vergessen lässt. Ein essentieller Faktor wenn es darum geht Kraft und Energie zu regenerieren und eine positive Ausstrahlung zu haben. Also ruhig mal in sich gehen um zu überlegen was man schon immer gerne machen wollte. In meinem Fall wird es ein Kurs für Leinwandmalerei sein und ein Salsa-Kurs.

  • Werte wie  Ruhm, Liebe, Treue, Wissen, Selbstständigkeit, Pünktlichkeit, Zeit für sich, Loyalität usw. definieren unsere Glaubensätze und bestimmen wie wir in bestimmten Situationen Handeln. Wenn wir uns über unsere Werte im Klaren sind, können wir  in kniffeligen Augenblicken leichter und intuitiver reagieren, ohne im Nachhinein Reue oder Scham zu empfinden. Auch dies ist ein wichtiger Ansatz um mit uns im Reinen zu sein. Eine gute Übung ist es, sich Werte aufzuschreiben die dir spontan wichtig erscheinen und danach mit Punkten zu gewichten. Jede Punktzahl darf hierbei natürlich nur einmal vergeben werden. So haben wir schnell einen Überblick was uns wichtig ist und können überlegen, wie wir dies besonders gut umsetzen können.

Als die große 30 langsam und bedrohlich näher rückte, hatte ich plötzlich das Gefühl mich mit diesen kniffligen Fragen ganz genau auseinander setzten zu müssen. Denn eines war mir klar, auch wenn dieses ziellose rum geplätschert in den Zwanzigern noch durchaus salonfähig und für mich selbst auch völlig in Ordnung war, so ist es jetzt allerhöchste Zeit ein paar grundsätzliche Überlegungen anzustellen wenn mich der Weg meines Lebens an bestimmte Punkte bringen sollte. Aber wo will ich hin? Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos, deshalb fällt es mir auch so schwer mich festzulegen. Ich denke das geht heutzutage vielen so. Oftmals hat man schon das Gefühl das es schwierig ist, sich für eine Abendplanung zu entscheiden, denn es könnte sich ja immer etwas noch besseres ergeben.

Als allererstes ist es wichtig zu verstehen dass man keine“ festgelegte“ Person ist. Ein starres Ich, unveränderlich und  im schlimmsten Fall, Opfer der Umstände. Als ich mich mit der Frage „Wer bin ich?“ auseinander gesetzt habe, ist mir aufgefallen, dass sich die Frage nach dem eigenen Ich nie ganz abschließen lässt. Denn wir sind die Summe unserer Erfahrungen und daher sind wir auch ein Leben lang in einem ständigen Entwicklungsprozess. Wichtig ist, sich dafür zu entscheiden etwas aus diesem Umstand zu machen. Sich bewusst mit sich auseinander zu setzen, was uns am Ende um eine Erfahrung reicher macht und Teil unserer Entwicklung ist.

Und wenn wir erst einmal angefangen haben uns diese Frage zu stellen, haben wir schon einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan.

Es folgt: Vorbilder: Fluch und Segen